
Lernen durch Körpererfahrung
in Einzelarbeit
Die neuere Gehirnforschung hat nachgewiesen, dass alles Erlebte, nicht wie bisher angenommen überwiegend in der Hirnrinde, dem Neocortex, sondern im Körper gespeichert ist, insbesondere, wenn diese Erlebnisse nicht ausreichend bearbeitet und überwunden wurden. Bei aktuellen schmerzhaften Ereignissen, die das damalige Erleben berühren, werden die früheren emotionalen Reaktionen wieder aktualisiert und beeinflussen unser aktuelles Verhalten. Sie können uns überfluten und zu schwerwiegenden Symptomen führen.
In den entwicklungsgeschichtlich ältesten Bereichen des Gehirns, dem sogenannten Reptiliengehirn, liegt die Fähigkeit, ganz unmittelbar mit einem feinen Warnsystem auf unangenehme bzw. angenehme Reize zu reagieren und entsprechende Signale zu senden: der "felt sense". Der "felt sense" ist also ein ganzheitliches Körperwahrnehmungssystem auf körperlicher und auf geistiger Ebene. Wir nennen es die Stimme im Bauch, unser „Bauchgefühl“, das uns treffsicher leitet, wenn wir darauf hören (nach Eugene T. Gendlin).
Im Lernen durch die Körpererfahrung mit dem "felt sense" üben wir, die verschiedenen Qualitäten der Körperempfindungen als vegetatives Geschehen auf mehreren Ebenen wahrzunehmen und uns von ihnen leiten zu lassen: mental, emotional, sensitiv. In bedrängenden Situationen, die uns emotional aufwühlen, können wir über diese Wahrnehmung Ressourcen auffinden und entwickeln, auf die wir uns stützen und mit deren Hilfe wir kompensatorisch Kräfte freisetzen können. Mit Hilfe dieser Ressourcen gelingt es uns, störende Spannungen abzuleiten, unser inneres Gleichgewicht wieder herzustellen und so eine adäquate Reaktion und Lösung des Problems ohne dauerhafte Störung des Gleichgewichts herbeizuführen, was unbeeinflusst gegebenenfalls zu organischen Störungen und psychischen Erkrankungen geführt hätte.