Märchen für Erwachsene

Märchen für Erwachsene

Der Stoff, aus dem die Märchen sind, entstammt dem kollektiven Unbewussten.

Sowohl die Bilder des Traums als auch die der Aktiven Imagination und des Märchens haben häufig Symbolcharakter. Im Symbol drückt sich etwas aus, das die Erfahrung des Ichs übersteigt, sich rational nicht erfassen lässt. Es weist auf etwas hin, das größer und umfassender ist als das Bewusstsein. Es will erspürt, in schwebender Aufmerksamkeit aufgenommen und so in bewusstes Tun integrierbar werden.

Im Märchen sind allgemein menschliche Erfahrungen in Symbolen und Bildern ausgedrückt, wie sie im Volk in der jeweiligen kulturellen und gesellschaftlichen Prägung erlebt und tradiert wurden.

Inwiefern können sie uns in der heutigen Zeit im modernen, technisierten Leben noch angehen, uns noch etwas aussagen? C. G. Jung gab uns Erwachsenen einen Schlüssel zu einem Verständnis, das Kindern noch unmittelbar zugänglich ist:

Das Märchen schildert einen Menschen auf seinem Weg zu sich selbst, den C. G. Jung "Individuation" nennt. Es handelt von einer Lebensphase, in der dieser Mensch an einem entwicklungshemmenden Mangel leidet. Z.B. fehlt die Königin – das weibliche Prinzip in seiner Psyche – oder der König ist alt und krank – das männliche Prinzip, das einer Erneuerung bedarf. Diesen Mangel kann er nur beheben, indem er sich auf die Suche macht, sich Entscheidungen und Prüfungen stellt, sich allen Gefahren zum Trotz bewährt. Nur so kann er die seltene, einzigartige Kostbarkeit – das Selbst – gewinnen, das heißt, in Kontakt kommen mit der ganzheitlichen Dimension hinter seiner bewussten, begrenzten Wahrnehmung. In der Regel gelingt dies dem Kleinsten, dem Dümmling – nämlich dem, der nicht seinem Verstand sondern seinem Herzen, seiner Intuition und seinem Bauchgefühl, dem "felt sense" folgt.

Alles im Märchen, ob hilfreiches oder bedrohliches Tier, als Pflanze, Geist, Fee, Mensch, alles wird verstanden als Teil dieses Menschen, als Facetten seiner Persönlichkeit wie Fähigkeiten, gute Eigenschaften, Schattenseiten, die miteinander in einem Geschehen auf der innerpsychischen Ebene agieren. In der Auseinandersetzung damit werden sie bewusstseinsfähig und im Alltag integrierbar.

Unser Lieblingsmärchen erweist sich oft als Schicksalsmärchen. Sein Thema ist dann ein bestimmendes Thema, das sich wie ein roter Faden durchzieht und dessen Lösung in unserem Leben ansteht.

Die Teilnehmer gestalten das sie am meisten bewegende Bild. Mit ihren Einfällen umkreisen sie den vielfältigen Gehalt der Symbole und nähern sich so ihrem Verständnis.

Es handelt sich in dieser Arbeit nicht um eine Therapie.
Eine notwendige Therapie kann durch sie nicht ersetzt werden.

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Dr. med.
Rosemarie Basting

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